Donnerstag, 26. Oktober 2006

die positivistische Ansage

Als mir die Kep vor ein paar Tagen den Link zur Selbsthilfegruppe geschickt hat, dachte ich noch, dass ich sehr gut hierher passe. Selbst der Herr Cinematograph, dem ich davon erzählt habe, war begeistert darüber wie gut wir doch hierher passen würden. Wir, die doch wirklich nur über das Leben als solches enttäuscht herziehen.

Doch nun stellt sich heraus, dass ich, das zynische Arschloch von nebenan, noch das meiste Licht am Ende des Tunnel erblickt. Oder es sich zumindst vorstellt. Doch wollen wir nicht länger mit der Tradition brechen, hier kommt die Vorstellrunde.

25, Wien. Und ja ..ich mag die Stadt.

Wenn ich so auf diese glorreichen 25 Jahre zurück blicke, habe ich immer das Gefühl, dass ich das beste bereits hinter mir habe. Ich erwarte mir nicht so sehr, dass heute, morgen oder übermorgen plötzlich alles gut wird. Geschweige denn besser. Und dennoch keimt da dieses zarte Pflänzchen Hoffnung, irgendwo im Dunkeln meiner Seele und singt mir leise das Lied von den großartigen Dingen die noch passieren werden.

Ich lebe bestimmt nicht das Leben, dass ich mir früher immer vorgestellt habe. Gut, als kleiner Bub wollte ich Lego-Pirat werden ... ein hoffnungsloser Wunsch, soviel ist klar. Mein Faible für Archeologie und Paläontolgie habe ich auch irgendwann abgelegt, und dem weine ich also auch nicht nach. Und dennoch bleibt da dieser Phantomschmerz, etwas verloren zu haben, das ich nie gehabt habe. Dieses "Leben", das ich noch nicht mal wirklich beschreiben kann, und von dem ich nur sagen kann, dass ich es nicht besitze.

Wenn ich das Leben das ich habe in seine Einzelteile aufsplittere und für sich betrachte, scheint eigentlich alles nur halb so schlimm.
Ich habe eine wunderbare, süsse kleine Wohnung. Mein absoluter sicherer Hafen. Klassiche Junggesselenbude ..nur ein wenig besser aufgeräumt, als man sich das erwartet, und solange man nicht in die Küche schaut. Selbstständigkeit - Check!

In dieser Wohnung stehen mein iBook, meine X360, haufenweise Bücher. In meinem Kühlschrank ist immer frisches Obst und Joghurt, mein Schrank ist voller sauberer Klamotten. ich rechne das alles in die Kategorie Luxus, denn es mangelt mir eigentlich an nix. also - Check!

Ich habe eine handvoll Freunde, die ich mitunter seit 15 Jahren kenne. Wir sehen uns ab und zu, quatschen oft übers ICQ oder telefonieren. Außerdem habe ich ein paar Hobbies, wie zum Beispiel mein eifriges Kino gehen, oder eben Brettspielabende mit meinen Freunden, oder mich mit meiner besten Freundin zum Starbuck zu setzen. Sozialleben und Freizeit? - Check!

Nach dem Ende meiner letzten Beziehung, und dem dazugehörigen Lecken der Wunden bin ich draufgekommen, wie gut es einem eigentlich als Junggeselle geht. Seither halte ich mich von den Frauen fern und abgesehen von dem ab und zu aufkeimenden Sehnen nach Zweisamkeit habe ich nicht das Gefühl irgendwas zu verpassen. Früher oder später werde ich wieder eine Partnerschaft eingehen, Familie gründen, Kinder großziehen. Ist mir schon ein Bedürfnis, aber ich habs damit nicht so eilig. Partnerschaft wie ich es mir zur Zeit vorstelle? - Check!

Meine Arbeit. Hm..schwieriges Thema. Definitiv nicht mein Traumjob, es war als Übergangslösung gedacht, und das ist mittlerweile fast 3 1/2 Jahre her. Klar, ich wurde gerade erst befördert, und manche sehen das als Karriere an. Man gratuliert mir und wünscht mir mit dieser neuen Aufgabe alles gute. Mir ist das ganze aber ziemlich wurscht. Zugegeben, die Bestätigung für seine Leistungen gewürdigt zu werden ist nett und tut gut ...aber wie gesagt, das ist nicht die Arbeit die ich machen möchte. Ich mache diesen Job weil ich es kann, es gut kann.
An guten Tagen gehe ich heim und bin zufrieden mit dem was ich am Tag geleistet habe. Kann überblicken wenn ich etwas bewegt habe. An den meisten Tagen habe ich das Gefühl, dass es unnötig war in der Früh aufgestanden zu sein. Aber ich habe so ein eigenartiges Pflichtgefühl gegenüber der Arbeit. Es ist symbiotisch. Karma. Wir definieren uns gegenseitig. Nur in dem wir beide unseren Teil erfüllen rechtfertigen wir unsere Existenz. Arbeit - ich / ich - Arbeit.
Natürlich könnte ich mir einen anderen Job suchen der mir mehr liegt, der mir mehr Spass machen würde, der mich jeden abend mit einem strahlenden Lächeln nachhause schickt. Nur welcher Job soll das sein? Der große Zweifel, ob ich in einem anderen Beruf das selbe Gefühl von "weil ich es kann" erlange bremst den Enthusiasmus sich neu zu orientieren.
Was es aber auf jedenfall täglich rechtfertigt aufzustehen und dorthin zu marschieren ist die Tatsache, dass es notwendig ist einen Job zu haben und das bisschen Geld zu verdienen, das dabei rausspringt.
Beruf? ne.. kein Check. Wir reden hier von Pflicht, nicht von Kür.

Wie gesagt .. in seine Einzelteile augesplittet schaut das ganze ja ganz gut aus. 4 von 5 Punkten. Wahnsinnhölle woohooo... oder so. Denn faktisch verbringe ich den großteil des Tages in der Arbeit ... und den zweitgrößten Anteil verbringe ich wohl mit schlafen ...und da bringt es mir nix, dass ich Hobbies, Freunde und eine tolle Wohnung habe.
Ich denke aber, dass das hier offensichtlich das größte Problem ist, mit dem die meisten der Selbsthilfegruppe hadern. Wenn der Beruf orsch ist, mit dem man die meiste Zeit verbringt, wie soll dann der Rest gut sein?
Vielleicht würde es helfen, wenn man den Fokus neusetzt. Den Beruf als die Notwendigkeit, die er nunmal darstellt, in seiner Wichtigkeit reduziert, und die guten Dinge die einem Freude bereiten in den Vordergrund holt.

Und nein, damit meine ich nicht, mehr Bier und mehr WoW :)

Ich reise gerne. Lerne gerne neues kennen. Aus nähester Nähe. Direkt.
Ich habe für nächstes Jahr eine kleine weltreise geplant. Habe mich jetzt lange darauf eingestimmt, dass es mir egal ist, wie es meinen Enkelkindern geht, oder selbst wie es mir in 50 Jahren geht. Ich lebe JETZT, und wenn ich es erleben möchte, dass ich alt werde. dann muss ich dieses JETZT auch ausnutzen. Ich werde meine angebliche Karriere einfach über den Jordan schicken, meine finanzielle Rücklage schnappen und durch die Welt tingeln. Drei, Vier Monate minimum.

Wenn ich dann zurückkomme fange ich neu an. Und diesmal wird es keine Übergangslösung geben.

Das wirklich faszinierende daran? Ich glaube das wirklich, und nichts kann mich davon abbringen.

- BM out -

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